Wissenschaftskriminalität
Es ist ein altes Problem, aber immer hochaktuell. Das jüngste Beispiel wäre, wenn es vor einer ordentlichen Wirtschaftsstrafkammer verhandelt worden wäre und nicht vor einem Berufsgericht, der Fall des psychologischen Gutachters, dessen Name bisher noch nirgends gedruckt, sondern nur mit einem S. angedeutet wird. Dagegen sind die Namen seiner Opfer bekannt: Eine unter Ihnen ist der Steuerfahnder Schmenger. Wie bekannt, sind Hessische Steuerfahnder, die aus Sicht ihrer Vorgesetzten und (falls sie Ihre Aufsichtspflichten nicht sträflich verletzt haben) mit hoher Wahrscheinlichkeit unter Mitwisser- oder sogar Mitttäterschaft des Hesssischen Finanzministers Weimar und des Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, aus Ihren Ämtern gemoppt und per Gutachten für "verrückt" erklärt worden, um sie loszuwerden. Der Gutachter hat nach BCC-Kriterien seine Wissenschaft in strafbarer Weise missbraucht. Das nennt BCC-Wissenschaftskriminalität.
Das Strafrecht kennt diesen Tatbestand noch nicht. BCC versucht seit Jahren, ihn in den allgemeinen Sprachgebrauch einzuführen. Der Titel eines wissenschaftliches Kongresses, den BCC gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, der Fachhochschule Frankfurt und (weil das Thema auch die Kunst berührt) der Frankfurter KunstGesellschaft im Jahr 1999 veranstaltete, deutet einen Aspekt der Wissenschaftskriminalität an, den BCC für zunehmend bedeutsam hält, weil durch die einseitige "Modernisierung" der Hochschulen die Wissenschaft immer stärker von der Wirtschaft abhängig gemacht ganz nebenbei kritische Wissenschaften wie die politische Ökonomie oder auch kommerziell nicht rentierliche Disziplinen durch Austrocknung unschädlich gemacht werden.
Das Thema des 1999 durchgeführten BCC-Kongresses lautete: Wissenschaft am Tropf der Wirtschaft. Einige Verantwortliche der Fachhochschule, die es zunächst begrüßten, dass dieses Thema wissenschaftlich aufgearbeitet wird, und die Unterstützung der FH zusagten, bekamen aber sehr bald kalte Füße. Sie wurden aus dem eigenen Haus - und wahrscheinlich auch von Seiten einiger Unternehmen, die die engere Zusammenarbeit mit der FH suchten - unter Druck gesetzt, weil dieses Thema völlig dem offiziellen hochschulpolitischen Trend widersprach, die unterentwickelte Hochschulforschung verstärkt durch Firmensponsoring zu fördern und auch praxisnäher zu gestalten. Das Vorhaben wurde hinterhältig sabotiert: Die Plakate, die den für den Monat Juni angesetzten Kongress ankündigten, wurden immer wieder abgerissen. Die Redaktion der Hochschulzeitung "verschlief" die Ankündigung. Und auf der Internetseite der FH erschien die Ankündigung erst 3 Tage vor dem angesetzten Kongresstermin. Kein Wunder also, dass sich zu wenige Teilnehmer anmeldeten und das aufwendige Vorhaben kurzfristig abgeblasen werden musste.
Es waren nämlich noch schwerer wiegende Gründe hinzugekommen. Es sagten alle, die für eine offizielle Begrüßung der Kongressteilnehmer in Frage kamen, zuerst der FH-Präsident, dann alle, die ihn hätten vertreten müssen, aus Zeitgründen ab. Und dies, obgleich der Präsident schon fest zugesagt hatte, eine Begrüßungsansprache zu halten. Alle hatten ausgerechnet an diesem Tag wichtigere Termine, die sie nicht absagen konnten. Also blies BCC diesen Termin ab wieder ab. Es mussten einige, die von weit her angereist waren, weil die Absage sie nicht mehr rechtzeitig erreicht hatte, wieder weggeschickt werden. BCC gab jedoch nicht auf. Der Kongress wurde verschoben und fand schließlich im November 1999 statt. Über 100 Teilnehmer, darunter viele Opfer von Wissenschaftskriminalität, konnten mit namhaften Wissenschaftlern, Publizisten, Politikern und Repräsentanten von Opfergruppen, meist selbst betroffene Personen, zu einem intensiven Meinungsaustausch zusammengebracht werden.
Der Erfolg blieb allerdings ein interner. Denn es hatte sich - trotz mehrfacher Einladung - kein einziger Journalist eingefunden, der über die Erkenntnisse, die dort diskutiert wurden, berichtet hätte. Wahrscheinlich waren die Redaktionen von einem besonders interessierten Gegner dieser Veranstaltung, der sich dabei der Unterstützung der Wirtschaftsunternehmen, die sich schon zur festen Zusammenarbeit mit der FH entschlossen hatten, vor einer Berichterstattung über dieses Ereignis gewarnt worden. Man kann das nicht beweisen. Aber das vollkommene Fernbleiben der Pressevertreter, des Rundfunks und des Fernsehens, die erfahrungsgemäß gern über Kongresse, auch über weniger ernst zu nehmende, gern und ausführlich berichten, kann eigentlich nicht anders erklärt werden. Schließlich konnten die Veranstalter, trotz größter Anstrengungen, keinen Verlag finden, der bereit gewesen wäre, die Kongressergebnisse in Buchform zu veröffentlichen, musste auch diese Absicht aufgegeben werden.
Damit wird hoffentlich verständlich, weshalb BCC nun versucht, eine breitere Öffentlichkeit über diese Website auf das Problem der Wissenschaftskriminalität aufmerksam zu machen. Denn jeder, der sich damit zu befassen beginnt, wird nicht daran zweifeln können, dass es sich hier um eine besondere Variante der Wirtschaftskriminalität handelt. Einige Beispiele: Immer wieder gibt es Beispiele privatwirtschaftlich finanzierte Forschung, die das Strafrecht oder auch das internationale Recht verletzt. Daneben kennt nahezu jeder den Conterganskandal, den Blutkonservenskandal und unglaubliche Fälle von Falschgutachten mit katastrophalen Folgen für Versicherte, denen aufgrund dieser offensichtlich gekauften Gutachten ihr berechtigter Leistungsanspruch streitig gemacht wurde. Aber wissenschaftliche Gutachter sind vergleichbar mit Schiedsrichtern von Sportveranstaltungen. Sie können irren, aber sie können auch ihre Betrügereien als Irrtümer kaschieren. Wenn sie diese kriminelle Energie aufbringen, sind sie kaum zu überführen und können sich straflos zu Lasten von Opfern wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Fehler oder Straftaten bereichern.
Wissenschaftskriminalität lässt sich reduzieren auf Straftatbestände wie Betrug und Fälschung.
Größte Vorsicht ist geboten, weil es sich auch um Irrtümer handeln kann. Es muss aber, damit die unentbehrliche Wissenschaftsfreiheit nicht nach Belieben unterdrückt oder eingeschränkt werde kann, ein Recht auf Irrtum geben. Das Wesen der Wissenschaft ist Versuch und Irrtum. Allerdings ziehen sich Betrüger und Fälscher im Wissenschaftsbereich, wenn sie überführt werden, gern auf das Irrtumsrecht zurück. In vielen Fällen ist es schwer nachzuweisen, ob ein wissenschaftlicher Gutachter, der für eine Versicherung gutachtet und einen Anspruchsberechtigten abweist, sich nur geirrt hat oder von der Versicherung gekauft wurde. Das Problem ist, dass Gutachter zu Richtern werden, weil Richter selten überprüfen können, welche der eingeschalteten Gutachter nun das richtige Ergebnis geliefert hat. Im Zusammenhang mit dem Holzschutzmittel-Skandal (siehe dazu das Buch unseres Vorstandsmitgliedes Prof. Dr. Erich Schöndorf: Von Menschen und Ratten) wurden Fälschungen im Bereich der Gutachten nachgewiesen.
Einige Beispiele aus Wikipedia, die zeigen, dass mit Wissenschaft auch großer Unfug getrieben werden kann:
Die Sokal-Affäre: Im Mai 1996 veröffentlichte die Zeitschrift Social Text den Artikel "Transgressing the Boundaries: Towards a Transformative Hermeneutics of Quantum Gravity" ("Grenzen Überschreiten: eine transformative Hermeneutik der Quantengravitation") des Physikers Alan Sokal. Kurz darauf gab Sokal in einer anderen Zeitschrift, Lingua Franca, bekannt, dass es sich bei dem Aufsatz um eine Parodie handele, die er verfasst habe, "um einen gegenwärtig modischen postmodernen / poststrukturalistischen / gesellschaftskonstruktivistischen Diskurs und, allgemeiner, einen Hang zum Subjektivismus zu bekämpfen". Er hatte die zusammengesuchten Zitate verschiedener postmoderner Denker mit dem typischen Jargon dieser Denkrichtung zu einem Text montiert, dessen unsinniger Inhalt bei Beachtung wissenschaftlicher Standards, so der Vorwurf an die Herausgeber von Social Text, als solcher hätte erkannt werden müssen.
Jan Hendrik Schön, Nano-Physiker, fälschte Messdaten zum elektronischen Verhalten organischer Strukturen. Schön galt 2002 bereits als Nobelpreis-Anwärter, als der Betrug aufgedeckt wurde: Seine Messergebnisse konnten nicht reproduziert werden.
Eindeutige Fälschungen gab es auch in der Paläontologie,
Beringersche Lügensteine 1725 wurden dem Würzburger Wissenschaftler Adam Beringer Kalksteine mit nachgebildeten "Fossilien" untergeschoben.
Piltdown-Mensch. (Weblink zu br-online.de (http://www.br-online.de/wissen-bildung/thema/fossil/luegen.shtml))
Archaeoraptor, angebliches Bindeglied zwischen Vögeln und Reptilien (Wie der Archaeoraptor gefälscht wurde (http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=154528),Das gefälschte Fossil (http://www.nationalgeographic.de / php/magazin/topstories/2000/10/topstory5.htm)
Medizin
Die Signifikanz der Hochdosischemotherapie bei Brustkrebs wurde von Werner Bezwoda gefälscht, er gab dies zu (Deutsches Ärzteblatt Nr. 7., 18. Februar 2000, S. 336).
Die falschen Diagnosen eines Pathologen bei Brustkrebsverdacht; der 'Essener Brustkrebsskandal' (http://online.wdr.de/online/gesundheit/brustkrebs/index.phtml)
Der 'Fall Gelsinger': Gentherapie mit Todesfolge und Geheimniskränerei Auflagen nach Tod durch Gentherapie - USA wollen kritische Experimente stärker kontrollieren (http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/02405/)
Friedhelm Herrmann und Marion Brach, die 'Die bisher größte Affäre in der deutschen Krebsforschung 'Betrug und Täuschung in den Sozial- und Kulturwissenschaften (pdf} (http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/BetrugWissenschaft.pdf)
Psychologie
Cyril Burts Forschung an eineiigen Zwillingen; Falschgutachten gegen Hessische Steuerfahnder
und in der Biologie
Der Zoologie
Der Zoologe Paul Kammerer fälschte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Experimente mit Geburtshelferkröten, um die Vererbung erworbener Eigenschaften (Lamarckismus) nachzuweisen. Das Aufdecken der Fälschung führte zu Kammerers Freitod.
Franz Moewus und die "geschlechtliche Vermehrung" von Algen
Literaturhinweisw:
1) William Broad, Nicholas Wade:Betrug und Täuschung in der Wissenschaft.ISBN 3764315601
2) Antje Bultmann/Friedemann Schmidthals: Käufliche Wissenschaft - Experten im Dienst von Industrie und Politik - Mit einem Vorwort von Carl Amery, Knur Taschenbuch, München 1994
3) Albrecht Fölsing: Der Mogelfaktor - Die Wissenschaftler und die Wahrheit, Rasch und Röhring, Hamburg 1984.
Hans See (Unter Angabe von Quelle und Autor ist die Weiterverwenung erlaubt)