Wann immer man den modernen Liberalismus, der zunächst ein kapitalistischer Wirtschaftsliberalismus ist,  beginnen lässt, ändert nichts an der Tatsache, dass er seine historischen Höhepunkte jedesmal dort erreicht, wo es dem als aufgeklärt geltenden Bildungs- und Besitzbürgertum einer staatlich organisierten Gesellschaft gelingt, den mittelalterlichen Feudalismus, die gottesstaatliche Ständeordnung, zu stürzen und den absolutistischen Gesetzgeber durch ein gewähltes - allerdings nicht frei gewähltes - Parlament zu ersetzen. Klassen- und Zensuswahlgesetze sorgen dafür, dass Repräsentanten der Besitzenden und Gebildeten eine verfassungsändernde Mehrheit sicher ist.

 

Die Historiker sprechen in diesen Fällen von gelungenen bürgerlichen Revolutionen. An deren Anfang stehen Zerfallserscheinungen der mittelalterlichen Gottesstaaten. Sie lassen sich schon zur Zeit der Kreuzzüge beobachten, wenn man nicht die Kreuzzüge selbst schon als erste Zeichen des Niedergangs der mittelalterlichen Feudalordnungen deuten will.

 

Die Kreuzzüge sollten jedenfalls auch dem schleichenden Zerfall der mittelalterlichen christlichen Ordnung entgegenwirken, der vor allem am Erstarken und der Ausbreitung des Islam sichtbar wurde, obgleich es nach allem, was über den inneren Zustand des christlichen Abendlandes zur Zeit des Ersten Kreuzzugs bekannt ist, doch eher innere Zerfallserscheinungen der christlichen Herrschaftsverhältnisse waren, die es den christlichen Oberhäuptern einer Gesellschaft von Untertanen ratsam erscheinen ließ, nach uralten Herrschaftsrezepten, nämlich durch Kriege gegen äußere Bedrohungen von ihren inneren Schwächen abzulenken.

 

Zwar war einer der Faktoren, die den Niedergang der mittelalterlichen Feudalordnung bewirkten, zweifelsfrei der seit dem 7. Jahrhundert im nahen Osten entstandene und sich in wenigen Jahrhunderten über ganz Nordafrika und größere Teile Süd- und Osteuropas ausbreitende Islam. Doch der machte den Christen zunächst nur bewusst, dass es auch andere die Massen in Erregung und Bewegung setzende Glaubensbekenntnisse gab als das christliche.

 

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